GEO: Der kluge Konsum
Gespannt war ich auf den Artikel über “strategischen Konsum” seit der Ankündigung in der letzten GEO Ausgabe. Wahrscheinlich zu gespannt, denn als ich ihn gelesen hatte, war ich erstmal ratlos. Dabei konnte ich nicht sagen ob mir nun etwas fehlte oder schlicht falsch war. Eigentlich war auch beides nicht der Fall. Gut, ein paar Ungenauigkeiten und Verallgemeinerungen, aber GEO hat eben auch ein paar Leser, die sich erst an des Thema herantasten müssen. Selbst, dass sich grossformatige Werbung eines Konzern, der ob seines nachhaltigen Engagements erwähnt wird, zwischen den Artikelseiten fand, kann man bemerken, muss man aber nicht geisseln. So funtkioniert Werbung im Print, da sollte man sich nichts vormachen.
Nachdem ich den Artikel ein wenig habe sacken lassen, glaube ich erkannt zu haben, was mich bei der ersten Lektüre gestört hat. Das Autorenteam, Johanna Romberg und Thomas Ramge (u.a. Co-Autor von “Marke Eigenbau“) nutzt seine unterschiedlichen Ansichten um sich im Diskurs dem Thema zu nähern. Das hat ein wenig den Geschmack der Alt- und Neo-Öko-Debatte. Doch die Ursache unterschiedlicher Lösungswege, bei gleichen Zielen, lässt sich in dem Fall an etwas anderem ausmachen. Die Autorin sieht die Verantwortung für nachhaltigen Konsum bei der Politik, die dafür die Strukturen zu schaffen hat. Der Autor ist hingegen der Meinung, dass es längst einen gesellschaftlichen Konsens zum nachhaltigen Konsum gibt, der über den Markt manifestiert werden muss.
Einen wirklichen Konsens finden die Autoren dabei aber auch nicht, dafür gibt es konkrete Vorschläge, auch wenn die nur die ökologische Seite des nachhaltigen Konsums beleuchten. Stichwortgeber dafür ist Michael Bilharz, der dazu rät von den vielen kleinen Schritten, zu den entscheidenden , er nennt sie “Key Points“, überzugehen. Wärmedämmung, 10000 EUR Investition in regenerative Energien, Carsharing (alternativ 3l Auto) und konsequente Umstellung der Ernährung auf Biolebensmittel sind der effektivste Weg seinen Ressourcenverbrauch einzuschränken. Dabei setzt er auch auf den Nachahmungseffekt, der dann umso grösser ist, je selbstverständlicher und unspektakulären man seine Ökobilanz verbessert.
Das unterschreibe ich vollkommen und deckt sich mit meinen Erfahrungen. Allerdings würde ich den kleinen Schritten trotzdem eine Chance einräumen. Nicht jeder hat die Möglichkeit der grossen Schritte und um sich dem Thema zu nähern, sind kleine Schritte ein Anfang. Nur zum alleinigen Programm dürfen sie nicht werden. Um noch einmal auf Michael Bilharz zurückzukommen. Unser Problem ist nicht, dass uns die Möglichkeiten fehlen würden, sondern unser grundsätzlich hoher Lebensstandard lässt die kleinen Schritte verpuffen.
Was im Artikel ein wenig kurz kommt ist das Thema soziale Verantwortung. Faritrade wird vorgestellt und “Die Moralisierung der Märkte” von Nico Stehr angesprochen. Wahrscheinlich könnte man über das Thema einen weiteren Artikel schreiben. Dafür werden Macher vorgestellt, die unterschiedliche Aspekte nachhaltigen und bewussten Konsums repräsentieren. Fast möchte man sagen, für jeden etwas dabei. Darum würde mich interessieren ob der Artikel bei Menschen, die sich bisher nicht für das Thema interessieren, einen Wandel einleitet. Weltverbesslerischen Mief oder Ökosandalen-Image, die ich übrigens auch in den 80ern höchstens in Krankenhäusern gesehen habe, versprühen jedenfalls weder die vorgestellten Macher, noch der Artikel und dessen Autoren.
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Sebastian schreibt:
Schön beschrieben. Mir ging es dabei ganz ähnlich, als ich den Artikel gestern gelesen habe. Interessant fand ich, dass Michael Bilharz aufgegriffen wurde. Ich habe ihn in Frankfurt beim KarmaKonsum Greencamp gehört und fand seine Ansichten teilweise sehr gut. Man muss allerdings dazu sagen, dass er sich mit seinen Aussagen nicht nur Freunde gemacht hat. Nicht jedem gefällt die Vorstellung, dass die eigenen kleinen Schritte im Grunde sehr wenig bewirken. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir auch diese brauchen um in der Gesellschaft ein Bewusstsein für diese Themen zu schaffen und um eben auch im Kleinen etwas zu bewegen.
Michael Bilharz plant übrigens – so viel ich weiß – zu seinen “Key Points” noch weitere Veröffentlichungen. Ich denke, dass er einem gerne weitere Infos zusendet (es gibt auch eine kurze Präsentation zu den Key Points) wenn man ihm eine E-Mail schickt. Der Mail-Kontakt steht auch auf dieser Seite: http://www.food.wi.tum.de/professur/mitarbeiter/michael_cv
Kirsten schreibt:
Handwerklich absolut okay, besser als der Spiegel neulich, der die neuen Ökos diffamierte, weil sie glauben, mit ihrem strategischen Konsum auch nur ein klitzekleines Bißchen was verändern zu können.
Sonst im aktuellen Geo-Trend: Bauchig, psychologisierend, kein Mut zur steilen These. Deshalb eiert man nach der Lektüre so hin und her.
Ich mag pointiertere Stücke.
Michael Wenzl schreibt:
@Sebastian:
Das glaube ich gerne, dass man das nicht gerne hört. Trotzdem ich seiner rechnerischen Schlussfolgerung absolut recht gebe, denke ich auch, dass die kleinen Schritte etwas bewirken. Auch wenn es zunächst nur dazu dient ein Bewusstsein zu schaffen – daraus kann mehr erwachsen.
@Kirsten:
Gekauft hätte ich mir die GEO deswegen wahrscheinlich auch nicht
Sebastian schreibt:
[...] Persönliche Eindrücke zu diesem Artikel hat bereits Michael Wenzl von bioemma in seinem Blog beschrieben. [...]
Peter schreibt:
Ich habe den Geo-Artikel jetzt auch mal durchgelesen und fand ihn dann am Ende doch reichlich unausgegoren, viel zu lasch und unkonturiert.
Die Vorschläge sind ja auch so eine Sache – ein neues Auto zu kaufen ist nämlich mitnichten pauschal dem Weiterfahren eines älteren Fahrzeugs vorzuziehen, das hängt immer vom Grad der Benutzungsintensität ab. Denn die Produktion eines Neuwagens verbraucht auch viel Energie, Rohstoffe, setzt Chemikalien frei usw. usf. Von daher muss man mit dem Neuwagen dann erst einmal viele tausend km fahren, bevor es sich (auch für die Umwelt) zu rechnen beginnt. Für mich würde sich das also nicht lohnen.
Auch die anderen Vorschläge, abgesehen von dem mit den Biolebensmitteln, finde ich für den “Normalbürger” wenig hilfreich – weder habe ich ein Haus noch mal eben 10.000 Euro für eine Sanierung o.ä. übrig.
Was ganz außen vor bleibt – und das schreibst Du ja auch in Deinem Artikel – ist die Komponente der sozialen Verantwortung. Und der generellen Konsumkritik, denn Konsum (zumindest von Produkten der großen Konzerne die die Spielregeln bestimmen) stabilisiert ja auch das absurde Wirtschaftssystem. Aber so weit ging die GEO lange nicht, da wurde doch überhaupt gar nicht auf das grundsätzliche Konsumverhalten eingegangen. (War so mein Eindruck.)
Michael Wenzl schreibt:
@Peter:
Bzgl. des Autos: Es nicht die Rede davon, dass ein neues Auto angeschafft werden soll, sondern ein 3l Auto, das kann auch gebraucht sein. Die Lösung, die dem vorgezogen werden soll ist der Verzicht auf Autobesitz. Das kann man auch auf’s Haus übertragen, ohne Immobilienbesitz brauchts keine Isolierung, nur hoffentlich einen Vermieter, der das macht.
Lars schreibt:
@Peter
. Viele Leser könnten da schon 10k auf der hohen Kante haben oder wenigstens einen Kredit in der Höhe bekommen. Die Vorschläge von Bilharz sind doch Situationsabhängig und das ist wirder typisch GEO kriegt man nur raus wenn man sich weiter informiert. Insofern hat der Artikel bei mir immerhin Nachdenken ausgelöst.
GEO ist aber auch keine Zeitschrift für “Normalbürger”