Gerade noch rechtzeitig
Da habe ich ja noch einmal Glück, dass ich Bio Emma ein Beruhigungsmittel gegeben habe, um das Konzept zu überarbeiten. Ein ähnliches Angebot gerät gerade in die Schußlinie prominenter Blogger. PageTurner.info aggregiert zahlreiche RSS Feeds von Blogs und gibt den Benutzern die Möglichkeit die Artikel direkt auf PageTurner.info zu bewerten und zu kommentieren. Thomas Knüwer (Indiskretion Ehrensache) nennt sie schlicht “Inhalte-Diebe” und Udo Vetter vom lawblog hat eine deutliche Warnung an den Betreiber ePublicon GmbH geschickt.
Das offenbart ein Problem, das generell mit den RSS Feeds besteht. Fast jeder der ein Blog betreibt steht vor der Frage ob seine Texte vollständig in den Feeds erscheinen sollen. Bei den meisten Systemen hat man die Auswahl entweder nur die Überschrift, den nach n Zeichen abgeschnittenen Artikel, eine eigens erstellte Kurzfassung oder den vollständigen Artikel via RSS anzubieten. Typisch für die Szene sind da natürlich auch Glaubenskriege, die in verstümmelten Feeds einen Mangel an Pathos fürs Bloggen vermuten. Aus der Sicht eines Bloglesers kann ich dem sogar zustimmen, da ich Blogs i.d.R mit einem Feedreader lese, bin ich auf den guten Willen des Bloggers angewiesen mir die vollständigen Artikel anzubieten. Zur Not gebe ich mich auch mit einer gut geschriebenen Zusammenfassung zufrieden, wer allerdings im Feed nur den gekürzten Artikel anbietet, reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass ich ihn lese um fast 100%.
Als Blogautor sehe ich die Sache natürlich etwas anders. Auch ich bin nicht ganz frei von Eitelkeiten und hätte schon ganz gerne auch ein paar Leser, die im Blog vorbeisehen. Gleichzeitig hatte ich schlechte Erfahrungen mit Content-Dieben der übleren Sorte. Plötzlich fanden sich Inhalte von Die_Farmblogger auf Seiten, deren Server irgendwo in Asien standen und ihren einzigen Zweck darin hatten SEO Spielchen für zahlende Kunden zu betreiben. Juristisch gegen so etwas vorzugehen ist wahrscheinlich ausweglos, daher habe ich mich in dem Fall dazu entschlossen den Zugriff auf den Feed zu filtern. Neben manuell eingerichteten Sperren kommt auch ein Skript zum Einsatz, das IP Adressen von Content-Dieben und Spammern sperrt, die anderswo unangenehm aufgefallen sind. Im Prinzip so etwas wie Akismet, nur nicht auf Kommentare beschränkt. Gleichwohl hat sich dadurch die Zahl der SPAM Kommentare ebenfalls drastisch reduziert.
Aber zurück zu den Aggregatoren. Im oben beschrieben Fall von PageTurner.info begeben sich die Betreiber meiner Einschätzung auf sehr dünnes Eis. Der Link zum orginalen Artikel ist zwar vorhanden, im weiteren werden die Benutzer aber aufgefordert auf PageTurner.info zu bleiben um dort ihre Bewertung und Kommentare abzugeben. Zugriffe, die Währung des Internets, erfolgen damit ausschliesslich auf PageTurner.info und können nur dort pekuniär verwertet werden. Auch wenn nicht jeder Blogger sein Tun für Geld anbietet, stellt sich auch für die altruistischen Schreiber die Frage, warum sie mit ihrer Arbeit die Kassen anderer Leute füllen sollten.
Bei Bio Emma hatte ich die gleiche Fragestellung im Hinterkopf. Allerdings weniger wegen des finanziellen Aspekts, sondern der Frage was es für einen Sinn macht die nachhaltigen Blogs zu aggregieren (hin und wieder bezeichnet man so etwas auch als Metablog) um damit neue Leser zu gewinnen und diese gleichzeitig davon abzuhalten die ursprünglichen Blogs zu lesen. Ein anderer Aspekt ist, und das wird auch im Fall vom lawblog angesprochen, dass in den Blogs Inhalte zu finden sind, die eben nur in diesem einen Blog veröffentlicht werden dürfen, z.B. Agenturmeldungen oder Fotos. Im Extremfall sind sogar Inhalte vorhanden, die bereits im ursprünglichen Blog nicht sein dürften. Die Urheberrechtsverletzung würde sich durch das Anzeigen des Feeds fortsetzen und der Betreiber eines Aggregators dürfte im Zweifelsfall auch unangenehme Post bekommen.
Was ist die Alternative? Grundsätzlich sollte man in einem Metablog wahrscheinlich davon absehen komplette Inhalte darzustellen. Alternativ lässt man sich vom Blogbetreiber eine Einverständniserklärung unterschreiben, dass man die Inhalte darstellen darf. Bei der Gelegenheit kann man auch eine Formulierung unterbringen, mit der sich das Metablog von möglichen Urheberrechtsverletzungen durch den Autor schadlos hält – ob’s im Extremfall hilft ist eine andere Frage. Auf der anderen Seite gibt es zig Dienste, die Nachrichtenseiten und Blogs automatisch aggregieren und niemand stört sich daran. Zum Teil gelten sie sogar als Wasserstandsmelder der Blogosphäre, z.B. technorati und rivva.
Als ich das Thema grünes Metablog mit Betreibern ähnlicher Dienste in den USA diskutiert habe, waren diese überrascht über meine juristischen Bedenken. Dort herrscht die Philosophie, dass alles was über eine öffentlich Schnittstelle zur Verfügung gestellt wird, auch jederzeit in vollem Umfang zitiert werden darf. Interessant war die Begründung dafür, gehen sie doch davon aus, dass die Autoren im wesentlichen nur gelesen werden wollen, egal wo. Meine Beobachtung war aber eine andere. Amerikanischen (Green-)Blogger haben im letzten halben Jahr vermehrt ihre Feeds gekürzt oder Werbung, als Grafik- bzw. Textlink, in die Feeds intergriert haben. Im Feedreader ist mir die Werbung egal, in einem öffentlichen Aggregator sehe ich da Probleme. Werbung, die über die Feeds hereinkommt und angezeigt wird, kann mit den Interessen der Metablogs kollidieren. Ein grundsätzliches Bekenntnis zur Werbefreiheit würde damit unterlaufen oder die fremde Werbung kann mit der eigener Werbepartner kollidieren. Gar nicht daran zu denken was los wäre wenn dadurch Reklame platziert werden würde, die der nachhaltigen Grundeinstellung widerspricht. Nicht jeder sieht den potentiellen Konflikt um Werbung so entspannt wie die Jungs von Ivy.
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Die_Farmblogger schreibt:
[...] mir hier nur kurz auf einen anderen Artikel zu verweisen, den ich eben geschrieben habe. Es geht um das alte Thema nachhaltiges Metablog, besser gesagt um die Fallstricke, die sich durch das Aggregieren von RSS Feeds ergeben. [...]
Memetracking – Bio Emma schreibt:
[...] zitierten Artikeln und viel schlimmer, dass der Verweis zum Original fehlt. Aber das hatte ich ja schon einmal festgestellt, dass die Amis da nicht so zimperlich sind. In Europa und besonders Deutschland könnte man sich [...]
Kleine Änderungen – Bio Emma schreibt:
[...] ausführliche Feed kostet mich zwar möglicherweise Zugriffszahlen hier im Blog, da ich aber selbst bekennender Nutzer von Feedreader bin, ist es nur konsequent wenn ich auch den Volltext anbiete. Ausserdem schreibt [...]