Testballon gelandet

Nachdem ich nun einige Zeit herumgespielt habe, ist es an der Zeit zumindest ein Zwischenresüme zu ziehen. Was sollte mit dieser Website eigentlich passieren? Der Grundgedanke war, einen zentralen Sammelpunkt für Blogs zu schaffen, die im Themenfeld Nachhaltigkeit/Grün/Bio schreiben. Gerne wurde im den Zusammenhang auch von einer Vernetzung gesprochen, die hatte ich allerdings nur in einem sehr technischen Sinne im Hinterkopf. Auf einen Punkt gebracht sollte es nicht viel anderes sein, als ein Verzeichnis, das die Blogs auflistet und Artikelauszüge anzeigt. Ausserdem sollten einzelne “grüne” Artikel aus nicht monothematischen Blogs auszugsweise dargestellt werden.

Ein Verzeichnis (aka Link Dierctory) und ein Aggregator sind kein Hexenwerk. Die einzigen Schwierigkeiten dabei sind, abgesehen von Webseiten die thematisch nichts im Verzeichnis zu suchen, falsch codierte RSS Feeds und die Frage wie lange ein Auszug sein darf ohne Content Klau zu sein. Schwieriger ist es Artikel zu präsentieren, die thematisch interessant sind, aber von Webseiten stammen, deren RSS Feed nicht regelmässig abgefragt wird. Dabei meine ich nicht die Einbindung, sondern das Auffinden und Bewerten der Texte. Mein persönlicher Favorit sind da ja Social Bookmarking Tools wie digg.com, yigg.de etc. Allerdings funktioniert das System nur, wenn eine ausreichend hohe Anzahl an Eintragern mit macht. Für den Testfall hier stelle ich unumwunden fest, dass es in die Hose gegangen ist. Zwar hatte ich über die letzten drei Monate 20 “Scouts” (Versuchskanninchen klingt so abwertend ;-) ), in Anbetracht des Themenbereichs ausreichend viele, die verloren allerdings alle spätestens nach zwei Wochen die Lust. Die Gründe waren der Aufwand, “Wenn ich einen Artikel lese, will ich nicht auch noch eine Zusammenfassung schreiben”, und das Fehlen von Resultaten, “Da kann ich ja auch gleich selbst bloggen”. Letzteres kann man vielleicht auch der mangelnden Bekanntheit von Bio Emma zuschreiben, allerdings wollte ich nicht die Werbetrommel überstrapazieren, da ich den Testlauf nur mit minimalstem Zeitaufwand betreiben konnte.

Aus technischer Sicht bestätigt die Einschätzung der “Scouts” aber meine Befürchtungen. Die Software Pligg, die ich fürs Social Bookmarking verwendet habe ist reichlich komplex. Angefangen von der Bedienung, bis zur Integration ist relativ viel Aufwand nötig. Das spricht nicht grundsätzlich gegen Pligg. Tatsächlich ist es einfach zu mächtig um als Feature nebenher mitzulaufen. Als Basis eines Portals, das sich ausschliesslich dem Social Bookmarking verschrieben hat, wäre es hervorragend geeignet. Für das weitere Vorgehen heisst das nun nicht, dass dieses Thema vollständig gestorben wäre, ich denke lediglich, dass ein anderer Ansatz gewählt werden muss. Das Eintragen interessanter Artikel muss einfacher gehen.

Verzeichnis und Aggregator (planet) waren, da automatisiert, einfacher kalkulierbar. Trotzdem brachte der Testbetrieb neue Erkenntnisse. Für das Verzeichnis habe ich die Software Freeglobes eingesetzt. Für sie gilt ähnliches wie schon bei Pligg, mächtig und eigentlich viel zu viele Funktionen. Bezogen auf die potentielle Anzahl der Blogs/Portale die sich eintragen könnten, scheint die manuelle Pflege des Verzeichnisses sinnvoller. Zumal es sich ja wirklich um ein reines Verzeichnis handeln soll, ohne irgendwelchen Schnichschnack zur Suchmaschinenoptimierung.

Weil wir gerade beim über den Haufen werfen sind, wird auch der Akkregator, im Test Gregarius, daran glauben müssen. Dieser kam zum Einsatz, weil ich damit schon seit vielen Jahren gute Erfahrungen gemacht habe und den Quellcode relativ gute kenne und somit weiss wo ich bei Problemen drehen muss. Bis vor ein paar Wochen war ich sogar der Meinung, dass ich nur damit die allfälligen Probleme mit der Codierung mancher Feeds in den Griff bekomme. Durch einen Hinweis von Manuel (vital-genuss.de) bin ich wieder auf SimplePie aufmerksam geworden. Damit ich hatte vor einiger Zeit schon mal gearbeitet, konnte damals aber noch nicht mit Gregarius mithalten. Das hat sich mittlerweile geändert. Zudem lässt es sich einfach in ein CMS (Content Management System) integrieren.

Was noch bliebe wäre das “Front End”. Wie es kaum anders sein kann, wird es ebenfalls das Zeitliche segnen. Das ist eine grundsätzliche Entscheidung und war eigenlich die zentrale Frage des Tests. Nämlich entweder ein CMS das externe, spezialisierte Programme anbindet oder ein CMS das mit Hilfe von Plugins erweitert wird. Da der Test relativ eindeutig gegen externe Programme ausgefallen ist, wird der Schritt zu einem CMS gehen, das sich relativ einfach erweitern lässt und eine umfangreiche API hat. Das könnte eine Blogsoftware sein, wird es aber wohl eher nicht. Das Problem ist schlicht, dass die meisten Blogprogramme eine eher schlichte API habe. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass es damit nicht realisierbar ist, es wäre nur relativ viel Entwicklungsaufwand nötig und gleichzeitig würden die meisten blogtypischen Funktionen ungenutzt bleiben.

Alles wird anders und doch bleibt alles gleich. bioemma.de bleibt mit dem Blog und dem Aggregator vorerst weiter in Betrieb, das Verzeichnis und Pligg habe ich gelöscht. Ob und wann ich auch das Blog und den Aggregator lösche entscheide ich wenn die neue Website halbwegs fertig ist. Bis dahin leisten sie mir gute Dienste als Testsystem und ausserdem will ich mich ein wenig in WordPress einarbeiten. Wie mir scheint, wird das langsam ein durchaus brauchbare Blogsoftware ;-)

Mein besonderer Dank geht an herwig, Reto, Roland und Manuel, die mir erlaubt haben die RSS Feeds ihrer Blogs schamlos zu nutzen.


Dieser Artikel wurde verfasst von:  Michael Wenzl
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Dieser Artikel wurde am Freitag 18. Juli 2008 um 17:41 veröffentlicht und ist unter Intern abgelegt. Sie können den Reaktionen mit dem RSS 2.0 Feed folgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen trackback auf diesen Artikel setzen.

5 Kommentare

  1. Gerade noch rechtzeitig | Bio Emma schreibt:

    [...] habe ich ja noch einmal Glück, dass ich Bio Emma ein Beruhigungsmittel gegeben habe, um das Konzept zu überarbeiten. Ein ähnliches Angebot gerät gerade in die Schußlinie [...]

    am 26. Juli 2008
  2. Noch ein Nachhaltigkeits-Metablog | Bio Emma schreibt:

    [...] weil ich es für unsinnig halte dauernd das Rad neu zu erfinden. Zu Nachhaltigkeit gehört auch Wiederverwendung. Im weiten Feld der Softwareentwicklung heisst das von den Erfahrungen anderer profitieren. Aber [...]

    am 13. August 2008
  3. RSS Aggregieren | Bio Emma schreibt:

    [...] der Abrechnung des Testballons Bio Emma habe ich u.a. geschrieben, dass wordpress als Plattform nicht in Frage kommt, weil zuviel der [...]

    am 14. August 2008
  4. Kleine Änderungen – Bio Emma schreibt:

    [...] Das war bisher nicht der Fall, weil ich es schlicht vergessen hatte umzustellen. Während des Tests war die Ausgabe absichtlich gekürzt, da ich nicht wollte, dass irgendwelche Blindtexte durchs Netz [...]

    am 10. September 2008
  5. Listen, Suche und Aggregatoren – Bio Emma schreibt:

    [...] habe ich hier im Blog wahrscheinlich schon genug geschrieben (1, 2, 3, 4, 5), trotzdem verliert das Thema nicht an Interesse. Meine Meinung dazu ist relativ [...]

    am 17. Oktober 2008

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